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Man muss nicht die Acidhouse-Welle 1988 und die ersten Tresor-Partys 1991 mitgemacht haben, um Techno-Urgestein zu sein. Tobi Neumann ist der beste Beweis dafür. Denn der gebürtige Münchner DJ und Produzent wurde erste 1996 auf der Love Parade von Techno infiziert – und machte die „verpasste“ Zeit mit einer rasanten Karriere locker wieder wett. Mittlerweile ist er bei Sven Väths „Cocoon“-Booking Agentur, und verzückt weltweit mit seinen deepen House-Sets.

Eigentlich war das ja alles gar nicht so geplant. Denn bevor Tobi Neumann vom Techno erfasst wurde, arbeitete er bereits sehr erfolgreich als Produzent von Jingles und Filmsoundtracks. Dann kam die Love Parade 1996. Die dampfenden Beats, die da von den Wagen schepperten, zogen ihn so in den Bann, dass er sich zwei Plattenspieler, einen Mixer und die ersten Vinyls zulegte. Der Stil: US-House Marke „Strictly Rhythm“. 1998 gab er im Münchner Club Ultraschall II ein Mixtape ab, mit dem Wunsch, doch ab und zu als Warm Up DJ ran zu dürfen. Dieser Wunsch wurde abgelehnt. Denn für „ab und zu Warm Up“ war das Tape viel zu gut – befanden die Betreiber, und boten ihm gleich eine wöchentliche Residency an. Bumm, so schnell kann es gehen! Seine Reihe „Flokati House Club“ wurde schnell nicht nur zum Münchner Hotspot für deepen House, sondern in ganz Deutschland wahrgenommen. Klarer Fall: Das Schicksal wollte es förmlich, dass Tobi Neumann bekannt wird! Und es half 1999 auch nochmal ordentlich nach: Denn Tobi lernte während der Sommersaison Sven Väth himself kennen. Die beiden Herren verstanden sich gleich so gut, dass Sven ihn einlud, gemeinsam bei seiner Millennium-Party in Thailand zu feiern. Tobi nahm das Angebot gern an – und gleich noch ein paar Platten mit, zur Sicherheit. Und er durfte während dem Dinner auch tatsächlich an die Regler. Da machte er keine Gefangenen, sondern heizte mit einem groovigen Techhouse-Set die Besucher so dermaßen an, dass schon vor dem Dessert die Meute auf den Tischen tanzte. Techno statt Crème Brûlée – eine gute Wahl! Von da an war die Sache klar: Tobi rocks the world. Die Dinner-Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Szene, und schwupps, schon hagelte es Booking-Anfragen aus aller Welt. Er wurde Resident im Frankfurter Robert Johnson und zählt zu den Grundfesten der Cocoon-Ibiza-Sessions.
Was sein Stil als DJ ausmacht? Ganz einfach: Er spielt Techno auf Housetempo, und House auf Technotempo. Mit anderen Worten: In seinen Sets klingen selbst bekannte Tracks frisch, neu, anders. Kein Wunder also, dass der Gute überall auflegen darf (und muss!): Panorama Bar, Amnesia, Fabric – und Romy S.! Und auch wenn das Auflegen bei Tobi Neumann momentan oberste Priorität hat: Seine Musikproduktionen dürfen nicht vernachlässigt werden. Immerhin verpasste er schon Artists wie Miss Kittin, 2Raumwohnung und den Chicks On Speed den richtigen Sound. Der ist melodiös, ohne kitschig zu sein, und drückend, ohne Presslufthammer-mäßig daher zu kommen. Der Tobinator im Romy S. – das kann ja nur ´ne legendäre Nacht werden!

Samstag, 13. Oktober 2012
Tobi Neumann (Cocoon / Berlin)
Waffel & Pfannkuchen (Benztown Artists / Esslingen)
Romy S., Stuttgart, Beginn: 23:00 Uhr
http://www.romy-s.de/