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Satte acht Jahre ist es her, daß MICHAEL MAYER sein Debut-Album “Touch” veröffentlichte, doch niemand wird Kompakts Labelchef in der Zwischenzeit mangelnde Präsenz attestieren wollen: der Terminkalender bleibt zum Bersten befüllt mit DJ-Gigs und Remix-Aufträgen. Deshalb erfreut es Kompakt umso mehr das neue Album MANTASY vorstellen zu dürfen, ein langersehntes, dringend notwendiges Update des Mayer’schen Klangkosmos und ein essentielles 2012er Release für das Label.

Man denkt immer, es sei so einfach: Sounds schrauben, Label gründen, Platten rausbringen… die elektronische Musik kennt schließlich fast nur kleine Dienstwege. So entstand TOUCH innerhalb weniger Wochen, “was man dem Ding auch ein bißchen anhört”, so Michael Mayer selbst: “MANTASY ist mein zweites Solo-Album, für mich aber das erste ‘echte’”, und tatsächlich zeugt die meisterhaft ausbalancierte Zusammenstellung der einzelnen Tracks von einem Musiker in voller Kontrolle über seine Stilmittel. So kann das Album durchaus als “DJ-Album” verstanden warden, allerdings weniger im Sinne eines Album für DJs als vielmehr eines Albums von einem DJ: “Da kann ich nicht aus meiner Haut”, bestätigt Mayer,“MANTASY reflektiert ganz klar die Unmengen von Musik, die ich privat so höre, vor allem aber meine Liebe zu Soundtracks oder soundtrackhafter Musik.“

Der Albumtitel steht für das eskapistische Moment einer durchaus filmisch zu nennenden Reise ins Unbekannte, eine Hommage an die großen Entdecker der Weltgeschichte, an „von einer Idee besessene Figuren, völlig falsche Weltbilder und Seekarten, unfassbare Strapazen, der ganze Irrsinn“, aber auch ein sehr persönlicher Trip ins Innere des Kompakt-Sounds selbst, als dessen Botschafter sich Michael Mayer seit jeher verstanden hat. Das stellt zum Beispiel „Lamusetwa“ eindrucksvoll unter Beweis, wo Erinnertes und Erträumtes funkenschlagend aufeinandertreffen: „Das war der Name meines ersten bewussten Lieblingssongs, den ich immer noch singen kann, aber bis heute nicht wiedergefunden habe“, erklärt Mayer, „eigentlich müsste es ja ‚L’amour, c’est toi’ heissen. Aber im Alter von 2 oder 3 Jahren singt man eben Lamusetwa.“ Der minimale Funk von „Wrong Lap“ und die Italo-Disco-Reminiszensen des Titeltracks „Mantasy“ tun dann ihr übriges, um jegliche Vorbehalte zu zerstreuen: die Tanzmaschine ist angeworfen, der Himmel reißt auf, die Synthesizer plustern ihre Backen und fegen übers Land, getrieben von präzisem Schlagwerk und subkutan pumpenden Bässen, die das große Kopfkino zurück auf den Floor locken. „Roses“ etwa findet im anzüglich funkelnden Halbdunkel des Clubs den idealen Nährboden für gebrochenen Glamour und durch den Nebel schneidende Beats, eine düstere Schönheit, die vom lichtdurchfluteten, tiefenentspannten „Baumhaus“ mehr unterstrichen denn konterkariert wird.

„Rudi Was A Punk“ zieht die Schraube auch schnell wieder an und hämmert den Bleifuß ins Pedal, gefolgt von „Voigt Kampff Test“, einem trackgewordenen SF-Thriller, und dem adrenalingeschwängerten „Neue Furche“, welches Michael Mayers Vorliebe für das legendäre Nu Groove-Label nicht nur sprachlich ins heimische Idiom übersetzt. Als krönender Abschluß von MANTASY fungiert schließlich „Good Times“, eine von WHOMADEWHO’s Tausendstimmenwunder Jeppe Kjellberg gesungene Ode an die nächtliche Utopie, an Hände in der Luft und das Gefühl der Zugehörigkeit, wenn man nirgendwo anders sein will als auf diesem Floor, mit diesen Menschen, bei diesem Sound. „Filme ohne Happy-End sind doof“, stellt Mayer unmißverständlich klar, „also Leinen los und Smartphone aus!“

01/A1 Sully
02/A2 Lamusetwa
03/A3 Wrong Lap
04/B1 Mantasy
05/B2 Roses
06/C1 Baumhaus
07/C2 Rudi Was A Punk
08/C3 Voigt Kampff Test
09/D1 Neue Furche
10/D2 Good Times