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Derrick May, Blake Baxter, Juan Atkins: Allesamt Techno-Pioniere – und allesamt Marc Houles Lehrer in Sachen elektronischer Musik. Man kann also sagen: Marc lernte von den besten. Und das hört man. Denn kaum einer verbindet die Seele des Oldschool House, den Kern von Techno und die Essenz aktueller Strömungen so gekonnt wie Marc Houle. Bei seinem Gig im Romy wird er sein kommendes Album „Undercover“ präsentieren.

„Einflüsse: Commodore 64, Depeche Mode, Detroit Techno.“ So steht es auf Marc Houles Facebook-Seite. Und damit könnte man eigentlich sein Leben und gleichzeitig den Style seiner Musik nicht treffender ausdrücken. Wir probieren es trotzdem mal: Kanada, Anfang der 1980er. Marc Houle sitzt vor dem Computer und daddelt sich schier die jungen Finger wund, dazu läuft Musik von Depeche Mode – die den heißesten Synthesizer-Shit am Start haben. Beeindruckt vom technologisierten Klang der Synth-Popper tritt die Musik schnell in Marc Houles Leben in den Vordergrund. Kurzum: Er entdeckt seine Liebe zu elektronischer Musik. Anfang der 90er besucht er jede Woche die Clubs im nahe gelegenen Detroit. Dort stehen Techno-Gründerväter wie Derrick May und Kevin Saunderson an den Plattenspielern, die mit ihrem groovigen House-Sound den jungen Marc fürs Leben prägen und quasi mitverantwortlich dafür sind, dass er Jahre später selbst weltweit für Euphorie auf den Tanzflächen sorgen wird.

Aber der Reihe nach: 1997 bietet ihm Richie Hawtin an, eine regelmäßige Nacht in dessen Club „13 Below“ zu veranstalten – was Marc gerne annimmt. Hier zelebriert er nochmals alles, was ihn schon als Kind in den Bann zog: laute New Wave-Musik und Computergames für die Besucher. Dann die folgenschwere Begegnung: Er trifft die junge Minimal-Plattenlegerin Magda. Die beiden ziehen zusammen, und er beginnt zu produzieren. Allerdings keine knusprig minimale Musik, sondern üppig arrangierte House-Anthems und Wave-Tracks. Magda gefällt zwar, was er da so Tag für Tag den Maschinen entlockt, aber das Material ist ihr zu „voll“. Und so fragt sie Marc, ob er ihr nicht von einigen seiner Tracks abgespeckte Versionen fabrizieren kann – so dass sie in ein knackiges Techhouse-Set passen. Marc light, sozusagen.
Diese aufs Wesentliche reduzierten Versionen lassen Richie Hawtin abermals aufhorchen – und diesmal fragt er Marc, ob er nicht Teil des Labels „Minus“ werden möchte. Und wer möchte das nicht.

Seitdem hat Marc Houle nicht nur seinen persönlichen Sound gefunden, sondern hatte lange Jahre mit „Minus“ auch noch das perfekte Label für seine Tracks. 2004 erschien hier mit „Restore“ sein erstes Album, 2010 veröffentlichte er die vierte und bislang letzte LP „Drift“. Kürzlich emanzipierte er sich von „Minus“, und ist mit dem Label  „Items & Things“ (das er zusammen mit Magda und Troy Pierce führt) nun sein eigener Labelchef. Diese neu gewonnene künstlerische Freiheit zelebriert Marc Houle ausgiebig auf seinem Album „Undercover“, das am 5. März erscheint. Darauf befinden sich acht Tracks – und jedem ist es deutlich anzuhören, dass Houle es genießt, exakt den Sound zu kreieren, der ihm im Kopf herumschwirrt. Experimente nicht ausgeschlossen! Synthie-geladener Techno, deepe Drums, organische Klänge – „Undercover“ zeigt einen Marc Houle, der so gut ist wie nie zuvor. Die Romy-Besucher bekommen bei seinem Gig in Stuttgart sein Album schon vorab zu hören. Na wenn das mal nix ist!

Er hat in seiner Karriere bereits tausende Tracks – oder sollte man besser sagen: Songs – produziert, was ihn zu einem äußerst profilierten Produzenten macht. Diese Produktionswut schlägt sich auch in seinen Sets nieder: Mindestens 50% der Tracks, die er im Club spielt, sind unveröffentlichte Eigenproduktionen. Heißt konkret: Kein Set gleicht dem anderen, jeder Auftritt von Marc Houle ist so einzigartig wie seine Musik. Er produziert keinen klinisch reinen Standart-House, sondern kleine Kunstwerke, bei denen die Bässe freudig hüpfen, die Claps munter klackern, die Synthies ekstatisch kratzen und die Beats in bester Detroit-Manier drücken. Ein Sound, der so frisch ist wie die Techno-Platten von morgen, aber so voller Reminiszenzen an US-House stecken, dass selbst alte Nightlife-Fossilien vor Freude ihre Mäntel in die Ecke pfeffern und drauflos feiern.

Und da es ja in der Romy nach dem Umbau noch mehr Platz zum Tanzen gibt, dürfte diese Nacht mit Marc Houle eine Gipfeltreffen der Techno-Gemeinde werden.

—> http://www.facebook.com/events/270221153044727/

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